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Aida Vita

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Der Ketzer und warum Gott ihn braucht

In seinem Buch „Religion und Eros“ sagt Walter Schubart vom dionyschen Keuschheitsopfer - das darin besteht den Kelch des Eros bis zur Neige zu leeren-, es habe den entgegen gesetzten  Sinn des christlichen Keuschheitsopfers: “Das erstere ist ein Mittel, um keusch zu werden, das zweite besteht in dem Gelöbnis, keusch zu bleiben.“ In dieser großartigen Formulierung liegt meines Erachtens- angedeutet der Schlüssel, der das Problem Ketzertum/ Orthodoxie aufschließt: Konsequente Orthodoxie ist der notwendige Letztausdruck aller echten „Religio“, d.h. all jener metaphysischen Bestrebungen des Menschen, die sich (um das Wort Religion zu verdeutschen) deshalb an Gott zurückbinden wollen, weil sie es bedauern, sich von ihm getrennt, „gesondert“ zu haben. (Das Wort Sünde kommt von “sondern“, trennen). Sie wären lieber im Paradies verblieben- und so tun sie denn alles, um nicht noch tiefer in Sünde zu geraten; die Technik solchen Tun hat dabei eine sekundäre Bedeutung, z.B. ob die Rückbindung vom Menschen selbst her erlangbar sei oder nur dadurch, dass er sich der Gnade anheimgibt. Wo religiöse Menschen (im engeren, wortwörtlichen Sinne) noch relativ „unsündig“ sind, da erstreben sie, es um Himmels Willen auch zu bleiben. Das ist schwer, daher die Unfallversicherungsbitte an Gott: „Führe uns nicht in Versuchung!“ Die Logik der Orthodoxie, einschließlich der mehr philosophisch als religiös formulierten Erlösungssysteme (z.B. des orthodoxen Hinayana- Buddhismus) besagt stets: “wären wir geblieben, wie es vom Ursprung her gegeben war- ohne Abstieg auf den verfluchten (notabene um unseret willen verfluchten) Acker-, so hätten wir nichts zu leiden gehabt und Gott durch uns auch nichts. Erst unser Nichtverbleiben machte Gott und uns viel Ungemach und macht es nach wie vor. Deshalb haben wir überall dort, wo wir noch nicht extrem sündverstrickt sind, so zu verbleiben (Keuschheitsgelübde und andere Enthaltsamkeits- Haltungen den Sünden gegenüber – denn alle Sünden laufen darauf hinaus, dass wir uns mit der „Welt“ einlassen und damit wiederum noch weiter von Gott hinweggehen) wo wir hingegen dennoch sündigen – und das beginnt für die Orthodoxie mit dem Geborenwerden, das ja ausdrücklich wegen unseres seinerzeitigen Mangels an Wohlverhalten im Paradies nunmehr schmerzlich vonstatten geht, und es endet mit dem Tode, der ebenso ausdrücklich als der Sünde Sold gewertet wird-, wo wir also zu unserer bereits generell sündbedingten irdischen Existenz auch noch spezielle Individualsünden hinzufügen, da gilt es, sie zu tilgen, um ein Verbleiben- dürfen bei Gott wiederherzustellen. Auch dabei ist die Methode nur sekundär bedeutsam, bestimmte Religiöse versuchen die Sündentilgung aus eigenem Impetus durchzuführen, worin andere auch schon wieder etwas Sündhaftes erblicken, weil in ihrer Sicht alles eigene Bestreben des Menschen bereits definitionsgemäß vom Eigensein her aktiviert wird, also vom sündigen „Gesondertsein“ -: so habe man, so lehren diese Leute, sich einem Gott oder Heiland hinzugeben, statt, auf sich selber gestellt, etwas zu unternehmen, und sei es auch nur die Tilgung des Auf- sich selber- gestellt seins und seiner Folgen. Alle Ideale und Ziele der Religio- die stets in der jeweiligen Orthodoxie ihre Optimierungsforderungen und Optimalformen herausstellt- gehen aufs Statische. Und sie „gehen“ nur deshalb, weil das Statische von uns Menschen – durch Sünde, durch Sich- Absondern von und Nichtverbleiben bei ihm –auf eine diesem Statischen schmerzliche, es und uns beunruhigende Weise verlassen worden ist. Statisches und sei es sogar Gott als die erhabene, alle Gegensätze in sich zum Frieden bringende bzw. sie noch nicht als Gegensätze in sich bergende Ruhe) wird nun einmal ungern beunruhigt. Religio zielt auf Wiedergutmachung der Beunruhigung Gottes durch unsere Abtrünnigkeit- wenn man es vom Menschen her sieht- und zugleich auf Stillung der leidvollen Unruhe, die durch uns Sünder in uns selbst zustande gekommen ist. “Herr, unruhig ist unser Herz, und seine Ruhe findet es erst wieder, ruht es in Dir!“ betet (typisch religiös) der heilige Augustin. Der liebe Augustin hingegen, sein fiedelspielender Gegentypus, ist nicht ein Mann des Statischen und der stabilen Gleichgewichtslage, er ist dem Dynamischen verschworen: ein Vagabund, eine Verkörperung des Labilitätsprinzips. Schon das Vagabundieren, als solches kommt ja, wie jegliches Schritte tun überhaupt, durch das (im Grunde recht gefährliche Spiel) mit dem Sich- selbst- Labilisieren zustande: Schritte tun ist nichts anderes als ein riskiertes Hinfallen, dass –mittels des vorangesetzten Beines-  in Wanderschaft gewandelt wird. Jeder Schrittetuende sündigt an sich, indem er sich  durch sein Schrittetun von dem „sondert“, wo er ohne es verblieben wäre. Wer Keuschheit gelobt und innehält, der „bleibt“ wo er ist, d.h. er verzichtet auf die Schritte ins Abenteuer und seine Folgen. Das war unser Ausgangsbeispiel. Die Ideale und Ziele der Religio müssen Verbleibe- Ideale und Ziele des endgültigen Verbleibens in und bei Gott sein. Gerät in diese Höchstwertung des Statischen und Stabilen irgendwo Dynamisches und Labiles hinein, dann nur, weil der Religiöse sich einst seinerseits durch Dynamisches und Labiles (eben indem er, vom Vater Adam bis zu ihm selber, ein Gott  und ihn schmerzlich beunruhigendes Fehlverhalten produzierte, nämlich das Sünde genannte Nichtverbleiben in und bei Gott)“gesondert“ hatte und sich deshalb nunmehr „rückverbinden“ muss (bzw. sich rückverbinden lassen muss)bis zum nie mehr zu beunruhigenden Verbleib, welcher als Seligkeit, Nirvana oder wie auch immer bezeichnet wird.

Demgegenüber treibt es der Ketzer wie der Darbringer des dionysischen  Keuschheitsopfers, durch das man – wir hörten es- auf dem Wege über die Erfüllung und Ausschöpfung des Eros keusch wird (statt im Sinne des christlichen Keuschheitsopfers, keusch zu bleiben). Während der Religiöse bei Gott bleibt, oder zu Gott geht, geht der Ketzer mit Gott, ja sogar (in den konsequenten Fällen der Absagte an Gott, wie wir sie vom Parzival her kennen) ohne Gott als Gott von Gott hinweg. Das ist sein Weg für Gott und damit zu Gott.

Der Ketzer weiß dass es eine Gotteslästerung ohnegleichen bedeutet, wen das All und unser Aufnahmeorgan für dieses All- unser „Ich- bin“, das zugleich die göttliche Mitte und Mittlerschaft unserer Existenz darstellt- als Missgeschick und als verfehlte Gottesabsicht aufgefasst und angefasst werden. Dies ist die einzige „Ketzerei“, die er verabscheut und die dafür zur Fundamental-These der Orthodoxen wurde. Jedem Ketzer ist das All und sein Ich- bin en gültiges Zeichen dafür, dass Gott sich selbst beunruhigte und beunruhigt, indem er schuf und schafft. Das Paradies ist- in der Sicht des Ketzers- nicht ohne Gottes Absicht zerbrochen, denn Gott schuf den Menschen von vornherein als ein Wesen, dessen Insiegel der Gottesebenbildlichkeit darin besteht, dass es Same und Keimkraft der Freiheit enthält; radikaler ausgedrückt: Same und Keimkraft der Freiheit erhielt und erhält der Mensch, weil Gott in ihm von sich selbst fort gegangen ist, weil Gott seine stabile Statik, sein In- sich- Ruhen als Indifferenz, schöpferisch und zur labilen Dynamik gemacht hat, indem er sich selbst dem Geschöpf Mensch eingoss du eingab. Der Mensch ist der Funke Gottes in Gewändern, die Menschheit eine Selbstmaskierung Gottes für ein Spiel, mit verteilten Rollen, dessen Text aber nicht schon vorliegt, sondern als Stegreif -Komödie über die Bretter geht, die in diesem Falle nicht die Welt bedeuten, sondern die Welt sind.

So ist denn die Tatsache, dass das also angelegte Geschöpf Mensch überhaupt durch die Möglichkeit der Freiheit geadelt war, d.h. das Gott in ihm wohnte (denn Gott ist Freiheit), ebenso gottgewollt, wie es selbstverständlich ist, dass keine Freiheit real vorhanden sein kann ohne sich zu wagen und dadurch erst zu sein. Die Ursünde- d.h. das Wagnis der frei angelegten Kreatur, die Anlage ihrer Freiheit „in die Erscheinung treten zu lassen“ - war unausweichlich, weil nur durch „Sonderung“ vom „Verbleib“ bei Gott und bei Gottes Gebot latente Freiheit (welche bei Nichtgebrauch an Inaktivitäts- Atrophie stirbt) zu wirklicher und wirkender Freiheit, d.h. zu sich selbst wird.

Auch der Mensch wurde durch diesen Sündenfall erst er selber- und Gott kam auf diese Weise ins All, das, wenngleich von ihm geschaffen, ihm dennoch dort, wo er  „nur“ Gott bleibt, wo er in der indifferenten Potenzfülle ruht, ein unzugängliches Gelände ist in welchem es für ihn kein Erleben und nicht einmal en Asyl gibt. Erst in der Maske des Menschen kann Gott sich mit der Welt einlassen, ja will Gott sich mit der Welt einlassen. Dabei gewinnen beide, Gott und die Welt – und da sie sich im Menschen, der zugleich Mittler und Vollführer dieses Programms ist, durchdringen, ist der Mensch beiderseits der dramatische Erringer des Gewinns. Sein Sündefall war und zwar für Gott, Welt und ihn gleichermaßen- en „peccatum ecessarium“ und eine „felix culpa“, er war ein „Sündenstieg“  Da Gott sich durch den Menschen und sogar im Menschen mit der Welt einlässt- was oft nur so vonstatten geht, dass man den Ausspruch nur bestätigen kann, es sei schrecklich in die Hände Gottes des Lebendigen zu fallen-, kennt der Ketzer grundsätzlich nur das dionysische Opfer, das er selber ist und darbringt: das Leeren eines jeden Kelches bis zur Neige. Er ist dabei konsekrierter Priester denn er birgt in sich das Allerheiligste, und sein Gottesdienst besteht darin, alle auf den Altar geratenen – richtiger gesagt: alle auf dem universellen Welten- Altar, an dem die gesamte Menschheit zelebriert, zu ihm hingeratenden Substanzen zu transsubstantiieren. „Gott in die Welt einlassen“ (nach Martin Bubers Formulierung die Bestimmung des Menschen), das geschieht dadurch, dass der Mensch – des in ihm realpräsenten und zum Ich-Bin individualisierten Funken Gottes bewusst und dessen Entfachung verpflichtet- grundsätzlich nicht B L E I B T sondern W I R D. Wo er bleibt, z.B. in der Tugend oder in irgendeiner „Reinheit des Herzens“ oder des „Handelns“ da versäumt er als Gesandter tätig zu sein. Der Mensch ist der Gesandte Gottes im All – und seine Legalitäts- Urkunde besteht in der Anwesenheit seines Souveräns in ihm selber, so dass die scheinbare Paradoxie des souveränen Gesandten zustande kommt. Ein Gesandter aber darf nicht siedeln.

Wir können jetzt den Satz Schubarts, von dem wir ausgingen und der sich auf das Keuschheitsopfer bezog- das dionysische und das christliche- in seiner Gültigkeit wesentlich erweitern und sagen: Das ketzerische Weiheopfer besteht darin, buchstäblich alles Menschenmögliche, das dem jeweiligen Ich –bin zugereicht wird, bis zur Neige zu trinken.

Das ist des Ketzers Kommunion am Altar. Und es unterscheidet sich dieses ketzerische Weiheopfer vom orthodoxen dadurch, dass es Gott als ein Mittel zur Verfügung gestellt wird, nicht vergebens in jedem von uns Mensch geworden zu sein und nunmehr tatsächlich über diese Menschwerdung hinweg weit und tief in die Welt zu gelangen, deren Allfülle dabei Transsubstantiation erfährt; während das orthodoxe Opfer religiös vollzogen wird indem der Mensch die Ausgestaltung seines Ich –bin weitgehend unterlässt oder –war sie bereits im Gange- durch Rückbindung an Über-, genauer betrachtet: an Vorweltlich  Göttliches niederdrückt, bis er wieder weniger ist als dieses Ich –bin. Ebenso wird der Orthodoxe angehalten, seine Tendenzen nicht auf die Welt zu richten, die da entweder (in mehr indischer Perspektive) als Wirbel der Wahn- und Leid-Erzeugung figuriert, dem es streng systematisch  zu entgleiten gilt, oder (in mehr jüdisch christlicher Perspektive orthodoxer Observanz) als Strafstätte, Besserungsanstalt und vom „Fürsten dieser Welt“ großartig organisierte Verschwörung gegen das Gute und Rechte: als Klingsors Zaubergarten voller Versuchungen. Bei solcher Sicht lässt man den Weg des „Religiösen“ durch die Welt- statt über sie hinaus ins Statisch – Stabile der als „Ruhe in Gott“ definierten Seligkeit, dir nichtsdestoweniger das religiöse Letztziel bleibt – lediglich im Sinne der „Mission“ gelten: des aus Mitleid erfliessenden Verbreitung der jeweiligen Re-ligio oder, wie im klassischen Hinayana –Buddhismus, ihrer philosophisch eisgekühlten Äquivalente. Auch da wo Re-ligio ein Ja zur Welt als erlaubt anerkennt- etwa im Christentum, wenn es die Ehe zum Sakrament erhebt-, geht es lediglich um Einzelheiten bei jenem Exerzierreglement, dessen Sinn die Parade „Retour“ ist. Denn das „vollzählige Antreten“ der entweder unter dem Fluch Adams stehenden oder der durch einen Heiland als Anwärter auf Erlösung vornotierten Menschen gehört nun einmal zu besagtem Exerzierreglement – und kann nur funktionieren, wenn geheiratet und gezeugt wird. Die religiöse Regulierung und sakramentale Approbierung sowie gleichzeitige Tendenzgebung solcher Notwendigkeiten schützt sie vor dem anarchischen Ausbruch in die Verweltlichung, wie er z.B. zustande käme, wenn Eros selbst sakramental werden würde: aber nicht im religiösen Sinne (auch ihn ins Kraftfeld der Kehrtwendung einschaltend) sondern in Sinne der Liebeserlebnisse Gottes im Garten seiner Welt.

Verweltlichung (Säkularisierung) wird von Theologen stets so bewertet, als bedeute es das Sich abehren der oder des Menschen von der Bindung an Gott und sei mithin Verlust des Heils. Die Ketzer aber wissen, dass Gott als „Gott in Gott“ – eine Wesenheit, die uns nichts angeht, weil sie gar nicht mit uns ins Gespräch zu kommen wünscht- in ebendem Augenblick, als er sich zu manifestieren begann, „Verweltlichung“ zu seinem Willensausdruck machte. Wir nennen das Schöpfung, Genesis. Auch Gott wandte sich damals und damit von sich selbst ab und der Welt zu, die dadurch entstand. Es kam ein Zug von –Atheismus in Gott.

Der Homo religiosus, dessen Spitzentyp der Orthodoxe darstellt, bezieht sich selbst in und bei allem auf Gott zurück und lässt jegliches Geschehen auf Gott zurückbezogen sein. Der Ketzer hingegen wandert mit Gott vorwärts in die Welt, labil nicht stabil (sonst könnte er gar nicht wandern), denn das Dynamische hat er zum Credo, nicht das Statische (denn Gott wäre im Statischen verbleiben, wenn ihm das Dynamische nicht wichtiger gewesen wäre) – und da Gott in ihm, dem Ketzer peregriniert, wäre es verfehlt, ja wäre es gegen den Willen Gottes, dieses von Fall zu Fall jedes Mal unaustauschbar individualisierte Peregrinieren – dessen wiederum unaustauschbar individualisierte Wegvollführung Schicksal heiß – gleichsam gegen den metakosmischen Druck zu wenden, der es aus dem Noch- nicht- Sein  ins Werden, aus Involvierten, welches vorweltlich zustande kam, in die Evolution zur Welt hin und durch de Welt hindurch treibt. Für den Ketzer gibt es selbstverständlich ein Jenseits, aber es interessiert ihn nicht. Wo es sich bemerkbar macht, von der Ahnung über das Hellgesicht bis zur himmlischen oder höllischen Erscheinung, da ist es eben, so weit es sich bemerkbar macht, Diesseits. Und wenn er nach dem Tode selbst im Jenseits weilt, weilt – oder richtiger wandert und wandelt- er damit im nunmehr wiederum offenbar gewordenen Diesseits anderen Wesensgefüges (so dass das, was vordem Diesseits war, jetzt Jenseits ist). Worauf es ihm einzig ankommt, das ist – und hier schließen wir den Ring unserer Betrachtung-: dasjenige mit Gott, in Gott und als Gott zu w e r d e n, was Gott noch n i c h t ist oder hat; während der orthodoxe Religiöse bei dem verbleiben oder zu dem zurückkehren will, was Gott im Urbeginn, nein jenseits des Urbeginns war. Der Homo religiosus geht seinen Gottesweg zurück ins tief Vertraute, uralte Über- und Vorweltliche, letztlich Unsagbare. Des Ketzers Gottesweg führt vorwärts ins immer wieder vollkommen Neue, noch nie Gewesene, fremdartig Weltliche und dennoch- weil es Welt ist, im Schaffenswerk geoffenbarte Gottheit- vernehmlich Erlebbare. Der orthodoxe Religiöse verfehlt Gottes Wille schon im Ansatz, bei der Ur- Sonderung, der Entstehung des Fördergegensatzes Gott/Schöpfung, den er falsch interpretierte. Der Ketzer leidet seit dem Sündenfall ebenfalls, aber er leidet die grandiosen Leiden des Abenteuers für Gott, er leidet Gottes grandiose Abenteuer.

Während das Weiheopfer, welches der Religiöse darbringt, in seiner Idealform den Verstümmelten ergibt, den Heiligen, der im Unterdrücken seines Ich –bin und im Nein zu den Versuchungen schließlich „seinen Frieden gefunden hat“, ergibt das vom Ketzer dargebrachte Weiheopfer in seiner Idealform den großen Aufgetanen, der als ein Ahasverus friedlos weiterwandert, weil er verfrühten Messianismen kein Obdach gewährt. Das ächtet ihn bei allen Wohlgesinnten – und darum heißt er Ketzer Gott will in ich wandern: dies st das Geheimnis seiner Auserwählung zur Ketzerschaft.

(Herbert Fritsche „Der große Holunderbaum&ldquo

 




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