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Aida Vita

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Besuch

Frau K war wieder hier.
Sie ist neunzig Jahre alt und mein zu Hause war für viele Jahre ihr zu Hause. Hier ist sie nach der Flucht gelandet, sie hat die Apfelbäume und den Wein auf dem Grundstück gepflanzt. Hier hat sie Kinder großgezogen, hier ist ihr Mann gestorben.
Sie steht im Garten und murmelt vor sich hin: „Der Wein muss beschnitten werden! Alles sieht anders aus. Wer hat denn nur den Zaun versetzt?“
Sie ist verwirrt und erkennt den Ort nicht mehr wieder.
Ich habe sie aus dem Fenster gesehen, mache uns Kaffee und nehme ein Tischtuch und einen Fertigkuchen, den hab ich immer extra für sie im Schrank.
Dann rufe ich an, im betreuten Wohnen, melde dass Frau K. wieder hier ist und dass man sie in ein, zwei Stunden holen kann.
Das wir noch Kaffee trinken. Mit dem Tablett und dem Roten gehe ich runter, begrüßen Frau K. die mich nie wieder erkennt, ich stelle mich wieder einmal vor und laden sie ein, zu Kaffee und Kuchen unterm Apfelbaum.
Und dann lasse ich sie reden, während das Kind schaukelt und buddelt.
Sie beschreibt mir wieder wie sie hergekommen ist, nach der Flucht, erzählt von den Söhnen und Töchtern und ich sage ihr wieder einmal, das ihre Enkeltochter meine Klassenkameradin war und wie immer, freut sie sich darüber.
Sie sagt mir was wo gut wächst und was sie angebaut hat. Weil es so wenig zu essen gab, damals. Und wie jedes Mal mahnt sie, das Geld nicht alles sei. Und den Kapitalisten nicht zu trauen sei. „Verkauft Eure Seelen nicht, Mädel“, sagt sie. Und ich fühle mich dabei wie früher als Kind.
Und sie ruht sich aus im Schatten und isst und trinkt. Und bringt mir Erinnerungen zurück, an meine Uroma, die auch aus Schlesien kam, die den gleichen Schlesier Dialekt sprach.
Und sie sagt Sätze wie meine Uroma sie gesagt hätte zu mir.
Und sie freut sich an meinem Kind was spielt und singt.

Bis die Pfleger kommen und sie holen. „Wie froh sie ist, sie weiß doch gar nicht mehr wo sei jetzt wohnt?“

Sie wird wieder kommen, bis dahin habe ich neuen Kuchen gekauft, der wartet hier auf sie.
25.4.06 12:03
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Heidi (25.4.06 14:00)
Hallo Silke,
schön wars zu lesen.
Und schön, das du ihr zuhörtst und ihr Zeit schenkst. Meine Oma kam auch aus Schlesien

Liebe Grüsse, Heidi


Sabine (25.4.06 16:04)
Ich glaube, das einzige was sie weiss, ist das sie immer gerne gesehen ist in ihrem alten Haus bei euch !

Danke, dass ich das lesen durfte


cat (25.4.06 22:00)
faszinierdend!

danke Silke


stefan (25.4.06 23:49)
eine schöne Geschichte!

Irgendwie bekomme ich Gänsehaut!

Danke!

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